Der Weg des Menschen II

Unsere Befindlichkeit heute

Wir sind gespalten:

Zwischen dem "Verstehen" unserer Außen-Welt, so wie wir sie uns erklären. Oder besser, wie wir sie uns von anderen erklären lassen. Vor allem von den Wissenschaften.
Und  dem "inneren Verstehen", und damit auch selbst annehmen dessen, was uns von außen alles an objektiv "gesicherten" Wissen begegnet.

Kein Wunder, dass wir auch zu keinem echten Verstehen der Natur gelangen, dessen Teil wir doch sind.
Geschweige denn zu einem angemessenen Umgang mit ihr.

Seit rd. 100 Jahren beginnt der Mensch diese Spaltung wahrzunehmen. Er unterscheidet zwischen einem bewussten und einem unbewussten Teil seines Ichs. Und versucht, diese Trennung zu überwinden, indem er das Unbewusste im Menschen analysierend hinterfragt um Unbewusstes bewusst zu machen. Aber diesem Ansatz liegt ein grundsätzliches Missverständnis zugrunde. Nämlich, dass zutiefst subjektive innerseelische Vorgänge mit objektiv-rationalen Methoden erreicht werden können. Die Tiefenpsychologie hat begonnen, das zu begreifen. C.G. Jung und insbesondere sein Schüler Erich Neumann forderten deshalb vor nunmehr schon rd. 70 Jahren die Entwicklung eines neuen, ganzheitlichen Bewusstseins. Das gleiche Ziel strebt auch Jean Gebser aufgrund umfassender kulturgeschichtlicher Untersuchungen mit dem von ihm geforderten "integralen Bewusstsein" an.
Was bedeutet das für die Harmonik?

Mit Hans Kayser folgern wir aus der Entsprechung von Zahl und Ton, dass dem sich aus Zählen, Rechnen und Denken ergebenden Bild von der Welt um uns eine Welt in uns entspricht, die sich aus unserem Hören, Fühlen und Empfinden ergibt. Diese beiden Welten können nicht durch rationales Analysieren und logisches Schlussfolgern miteinander verbunden werden. Vielmehr bedarf es eines sich von innenheraus fühlend und empfindenden Öffnen zur rational wahrgenommenen Welt um uns. Auf diese Weise entsteht ein ganzheitliches Welterleben.
Das ist von besonderer Bedeutung für unser Verhältnis zur Natur, von dem wir endlich begreifen müssen, dass wir unlösbar ein Teil von ihr sind. Und als ein solcher Teil zerstören wir mit der Natur uns selbst.
Harmonik bildet also die Brücke zwischen der Welt in uns und der Welt um uns.